Reutlingen – Beim vierten Metropolkongress der Europäischen Metropolregion Stuttgart ging es um die wirtschaftliche Transformation, um Klimaanpassung und um Kooperation über kommunale und regionale Grenzen hinweg. Das teilte die Stadt Reutlingen mit. Grundlage der Beratungen waren Empfehlungen aus fünf Arbeitsgruppen, an denen über 200 Fachleute mitgearbeitet hatten.
Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck betonte, ein abgestimmtes Vorgehen und gemeinsame Lösungsansätze seien wichtig. Keck sagte: „Ein Kongress ist erst dann richtig erfolgreich, wenn er nicht nur Denkanstöße gibt, sondern auch etwas in Bewegung setzt.“ Wichtig sei, aus den Erkenntnissen konkrete Vorhaben zu machen und neue Kooperationen anzustoßen.
Unternehmen und Landespolitik
Aus der Praxis berichteten Unternehmen. Es ging darum, wie bewährtes Können mit neuen Technologien und Geschäftsfeldern zusammenfindet und was nötig ist, damit Innovationen dauerhaft am Standort bleiben. Bonita Grupp, Geschäftsführerin des Textilunternehmens Trigema, sieht das regional verwurzelte textile Know-how als Basis für neue Entwicklungen im textilen Kreislauf.
Jens Fabrowsky von NEURA Robotics kam in Begleitung des Roboters „Mini“ auf die Bühne. Er nannte drei Voraussetzungen für den Standort: eine enge Verbindung zwischen Hochschulen und Unternehmen, schnelle und verlässliche Verfahren und den Mut, neue Technologien wie Physical AI auch vor Ort einzusetzen. Sein Unternehmen sei in Metzingen verwurzelt.
Klimaanpassung, Versorgungssicherheit und belastbare Lieferketten standen im Mittelpunkt des Beitrags von Jörn Birkmann, der in Stuttgart das Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) leitet. Wichtig sei das Zusammenspiel von kommunaler Planung, Wissenschaft und unternehmerischer Praxis. Ministerialdirektor Michael Kleiner vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium hob die Mittelstandsförderung hervor, gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung und die Weiterentwicklung von „Tech BW“.
Ergebnisse der Arbeitsgruppen
Die fünf Arbeitsgruppen befassten sich mit Wirtschaft, Zukunftstechnologien, klimaangepasster Regional-, Stadt- und Ortsentwicklung, Wasser und regionaler Kooperation. Nötig seien demnach eine verbindliche Zusammenarbeit über kommunale Grenzen, Planung mit Weitblick, eine verlässliche Finanzierung und passende politische Vorgaben.
Rainer Wieland, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart, sprach darüber, wie die Region als Innovations- und Hightech-Standort sichtbarer werden kann. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper nannte regionale Zusammenarbeit etwa bei den ÖPNV-Verbünden, beim Hochwasserschutz und beim Trinkwasser notwendig. Der Kongress habe gezeigt, dass die Zukunftsfähigkeit der Region davon abhängt, Kompetenzen zu vernetzen und gute Ideen in Maßnahmen umzusetzen.
Die Metropolregion setzt sich aus fünf Regionen zusammen: der Region Stuttgart, Heilbronn-Franken, Neckar-Alb, dem Nordschwarzwald und Ostwürttemberg. Sie erstreckt sich über rund 15.360 Quadratkilometer, etwa 5,5 Millionen Menschen wohnen dort, verteilt auf knapp 480 Städte und Gemeinden. Nach Angaben der Stadt entfallen rund 49 Prozent der Landesbevölkerung und etwa 52 Prozent der Wirtschaftsleistung Baden-Württembergs auf die Region.
Zusammengefasst
- Ergebnispapiere aus den 5 Arbeitsgruppen: www.eu-metropolregion-stuttgart.de
Umfeld
Die Europäische Metropolregion Stuttgart ist laut Wikipedia eine von derzeit elf Metropolregionen in Deutschland. Festgelegt wurde sie von der Ministerkonferenz für Raumordnung. Sie ist nicht mit der Region Stuttgart zu verwechseln.
Zur Metropolregion gehören nach diesem Eintrag drei Oberzentren: Stuttgart, Heilbronn und das Doppelzentrum Tübingen-Reutlingen. Im Bereich des Doppelzentrums liegen unter anderem die Mittelzentren Metzingen und Rottenburg am Neckar.
Dass Klimaanpassung auch ein Thema für die Infrastruktur der Region ist, zeigt ein Forschungsprojekt, das die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg beschreibt. Darin wurden am Beispiel der Metropolregion Stuttgart Auswirkungen des Klimawandels auf Verkehrsinfrastrukturen und damit verknüpfte Energieinfrastrukturen untersucht. Berücksichtigt wurden dabei die vorhandenen Straßen- und Schienennetze.
Sichtweise
Die Forderungen nach verbindlicher Zusammenarbeit und verlässlicher Finanzierung sind deutlich formuliert. Offen bleibt, wer sie wie umsetzen soll und welche konkreten Vorhaben aus dem Kongress entstehen. Interessierte können die Ergebnispapiere der Arbeitsgruppen selbst nachlesen und prüfen, was davon ihre Kommune betrifft.
