Stuttgart – Auf der Tauberbahn, der südlichen Maintalbahn und der Madonnenlandbahn sollen ab Mitte der 2030er Jahre Akku-Züge fahren. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat dafür einen Planungsvertrag unterzeichnet, wie die Landesregierung mitteilte. Vertragspartner sind die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH Westfrankenbahn und die DB Energie GmbH. Das Land übernimmt die Planungskosten von rund 9,4 Millionen Euro.
Verkehrsministerin Nicole Razavi sagte, das Land zahle die Planung komplett, damit das Projekt vorankomme. Kürzere Fahrzeiten, klimafreundliche elektrische Züge und barrierefreie Bahnsteige machten die Strecken „fit für die Zukunft“.
Drei Strecken, zwei Planungsschritte
Der Vertrag umfasst diese Strecken:
- Tauberbahn: Die Strecke führt von Crailsheim über Bad Mergentheim und Lauda nach Wertheim.
- Maintalbahn: Sie verbindet Wertheim mit Miltenberg.
- Madonnenlandbahn: Sie verläuft zwischen Miltenberg und Seckach.
Die Westfrankenbahn beauftragt nun die ersten beiden Planungsschritte, die Grundlagenermittlung und die Vorplanung. Dabei wird geprüft, welche technischen Anforderungen bestehen, und es werden verschiedene Varianten gegenübergestellt. 2029 soll die Vorplanung abgeschlossen sein, danach folgen ohne Pause die weiteren Planungsschritte und die Realisierung.
Denis Kollai, Geschäftsleiter Infrastruktur und Sprecher der Geschäftsleitung der Westfrankenbahn, sagte, man bringe das Akku-Projekt nun Schritt für Schritt von der Grundlagenermittlung bis zur Realisierung voran. Das Netz werde so moderner, zuverlässiger und attraktiver für die Fahrgäste.
Laden unter dem Fahrdraht
Akku-Züge sind elektrisch unterwegs, kommen aber ohne durchgehenden Fahrdraht aus. Geladen wird die Batterie nur dort, wo eine Oberleitung vorhanden ist; danach fahren die Züge mit Akkustrom weiter. Auf der südlichen Tauberbahn sollen dafür Oberleitungen auf rund 23 Kilometern entstehen. Das entspricht ungefähr 15 Prozent des Teilnetzes, das die Westfrankenbahn dort betreibt und das insgesamt rund 170 Kilometer lang ist. Die übrigen 85 Prozent würden demnach mit dem Akku befahren.
Die Strecken wurden getrennt betrachtet. Dazu ließ das Verkehrsministerium im vergangenen Jahr eine umfassende „Energiesimulation“ durch die DB Energie erstellen. Neue Oberleitung bekommt nur die südliche Tauberbahn, die zwischen Crailsheim und Königshofen über Bad Mergentheim verläuft und mit gut 60 Kilometern den längsten Abschnitt bildet. Derzeit sind ein bis zwei Oberleitungsabschnitte eingeplant. Der eine reicht von Königshofen mindestens bis Bad Mergentheim, ein zweiter könnte bei Bedarf ab Crailsheim in Richtung Satteldorf entstehen. Die genauen Abschnitte legt die Vorplanung fest.
Auf den übrigen Abschnitten ist keine neue Oberleitung nötig, weil an den Start- und Endbahnhöfen schon eine vorhanden ist. Die Madonnenlandbahn von Miltenberg nach Seckach ist rund 40 Kilometer lang und hat Oberleitungen in Miltenberg und Seckach. Die Akku-Züge können sie daher ohne Zwischenladung befahren und laden ihre Akkus während des Wendens, wofür rund zehn Minuten nötig sind. Parallel dazu wird die nördliche Maintalbahn im Projekt „Elektrifizierung und Ausbau der Maintalbahn“ bis Miltenberg komplett elektrifiziert.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter nannte die Umstellung der Westfrankenbahn ein „Musterbeispiel für die Zusammenarbeit von Baden-Württemberg und Bayern“. Die Planungen für die Elektrifizierung der Strecke Aschaffenburg – Miltenberg seien bereits beauftragt und mit denen auf baden-württembergischer Seite abgestimmt. Im elektrifizierten Bahnhof Miltenberg könnten Züge Richtung Baden-Württemberg künftig ihre Akkus laden. Weil die Strecken teilweise durch Bayern verlaufen, stimmt Baden-Württemberg das Vorhaben eng mit dem Freistaat ab.
Mehr als neue Oberleitungen
Zum Vorhaben der Westfrankenbahn gehören außerdem neue Begegnungsbahnhöfe und neue elektronische Stellwerke. Streckenweise soll Tempo 120 möglich werden, und Stationen werden barrierefrei ausgebaut. Ist der Ausbau abgeschlossen, sollen zwei Linien stündlich verkehren. Dadurch entsteht zwischen Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim im Kern ein Halbstundentakt, und auch samstags und sonntags sollen spürbar mehr Fahrten angeboten werden.
Zusammengefasst
- Start der Akku-Züge: ab Mitte der 2030er Jahre
- Planungskosten: rund 9,4 Millionen Euro, vom Land getragen
- Vorplanung fertig: 2029
- Neue Oberleitung: rund 23 Kilometer auf der südlichen Tauberbahn
- Ladezeit beim Wenden auf der Madonnenlandbahn: rund zehn Minuten
Sichtweise
Für Pendler im Taubertal und im Odenwald klingen Stundentakt, mehr Wochenendverkehr und barrierefreie Bahnsteige konkret. Dass das Land die Planung allein bezahlt, hilft beim Start. Offen bleibt, wer die spätere Umsetzung finanziert und welche Oberleitungsabschnitte tatsächlich gebaut werden. Das soll erst die Vorplanung klären.
